Die kleine Biene öffnet ihre Augen. Sie sieht so gut. Und was sieht sie, nur ihr Zuhasue, nur ihren Stock. Schnell streckt sie ihre Beinchen aus, schnell schlägt sie ihre Flügel auf und schon schwärmt sie aus. Raus aus der Enge im Bienenstock, raus aus der Finsternis. Winter Ade - Frühling Juchhee.
Die Sonnenstrahlen blenden sie nach der langen Zeit der Finsternis. Doch dieser kurze Moment des Schmerzes in den Augen weicht sofort der Freude am Anblick des Lichts, der Farben, die zwar noch sehr spärlich gesät sind, doch schon abwechslungsreicher als das Weiß des Winters oder eben für die Biene, das Braun ihres Bienenstocks. Höchst freudig fliegt die Biene durch die Luft. Zuerst ziellos nur mit bloßer Freude am Fliegen, am Spüren der Luft, durch die sie ihre Flügel gleiten lassen, der zarte Wind, der ihre Härchen kitzelt und die Sonnenstrahlen, der ihren noch ein wenig starren Körper immer beweglicher machen. Diese vermehrte Beweglichkeit drückt sie in ihren immer beeindruckenderen Flugkunststücken aus, Loopings, Sturzflüge, riskante Manöver über das Gras und plötzlich eine Punktlandung. Warum? Weil die kleine Biene eine wunderhübsche gelbe Blüte entdeckt hat. Ein Himmelschlüsserl. Wie sehr liebt die kleine Biene diesen süßen Nektar dieser Blume. Ihr Herz wird leicht, wenn sie daraus trinkt. Genüsslich schlürft sie ein paar der Blüten aus und schon wieder steigt sie in die Lüfte und nun, da sie die ersten Gaumenfreuden erlebt hat, hat sie Lust auf mehr Geschmack der Natur.
Also richtet sie ihr Augenmerk auf Blüten und schon wieder startet sie einen Sturzflug. Diesmal hat sie die Blüten des Lungenkrauts entdeckt. Sie mag den Pollen des Lungenkrauts. Sie mag an dieser Blume auch, dass sie an ihr ihre Fähigkeit der Malerei ausüben kann. Denn kaum verlässt die Biene die Pflanze, verändert diese ihre Blütenfarbe. Und das kann ja nur daran liegen, dass die Biene sie anders angemalt hat, oder? Fröhlich steigt die Biene wieder in die Lüfte. Sie lässt sich ein wenig treiben, sie fühlt sich satt und zufrieden. Vielleicht sollte sie sich ein wenig in die Sonne setzen, sich aufwärmen und die Sonnenstrahlen noch weiter auf sie einwirken lassen. Also setzt sie sich auf ein sonniges Plätzchen im Gras. Als ihr gerade die Augen zufallen und sie einschlafen will und von viel süßem Honig träumen will, steigt ihr ein unglaublicher Duft in ihre Sinne. Sofort ist sie wieder hellwach, sie kennt diesen Geruch, diesen Duft, diese Verführung. Da will sie hin, zu dieser Freundin und schon sieht sie sie. Ein Veilchen, nicht nur eines, nein, ein ganzes Fleckchen voller wunderhübscher lila Veilchen bedeckt den Boden. Die Biene setzt sich auf eine Blüte und begrüßt den Veilchengeist. Sie, es ist eine Frau Geist, mag die Biene besonders gern, denn neben ihr fühlt sich die Biene so wohl und zu Hause. Bei Veilchen weiß sie, kann sie einfach sein, wie sie ist, da muss sie sich nicht anstrengen, da muss sie nichts beweisen. Bei Veilchen darf sie alles annehmen und muss nichts in Frage stellen. Ach, wie gern hält sich die Biene bei Geist Frau Veilchen auf. Bis zur Dämmerung sitzt die Biene auf den Veilchen, kostet mal von diesem, mal vom nächsten und hört den Geschichten von Frau Veilchen zu. Beglückt fliegt die Biene in den Abendsonnenstrahlen in ihren Bienenstock zurück. Sicher und heimelig fühlt sie sich nun in ihrem Zuhause, da es draußen wieder finster und kalt wird. Aber sie freut sich schon sehr auf den nächsten Tag, an dem sie wieder so viele Freunde wird begrüßen können.
Rezept Hustenmedizin aus Frühlingsblühern:
In ein Glas die Blüten von Huflattich, Veilchen, Spitzwegerich und Lungenkraut geben, mit Honig übergießen und im Schatten stehen lassen. Wichtig ist, dass die Blüten vom Honig bedeckt sind, sonst besteht Schimmelgefahr. Immer wieder bewegen und drehen und dann zum Süßen von Tees oder Porridge verwenden. Wirkt gut gegen Husten und tut der Leber gut.
Gastbeitrag meiner lieben, hoch geschätzen Freundin, volksheilkundlichen Kräuterexpertin, Absolventin der Studien für Germanistik und Landschaftsplanung Julia Pichler.